Fälblinge (Hebeloma spp.)

Haberl B; Kleber JJ; Zilker Th 2000

Die Gattung der Fälblinge (Hebeloma) umfasst in Mitteleuropa etwa 40 Arten. Ein gemeinsames Merkmal sind die falben Hutfarben (Name!), die von semmelfarben bis kakaobraun variieren. Der Hut ist meist schmierig bis klebrig und nur selten trocken, je nach Witterung! Die Lamellen sind cremefarben bis hellgraubraun und am Stiel ausgebuchtet angewachsen. Fälblingsarten der Untergattung Denudata haben tränende Lamellen (Tröpfchen an den Lamellenschneiden), die später eintrocknen und den Lamellen ein geflecktes Aussehen geben, wie z. B. beim Tonblassen Fälbling (Hebeloma crustuliniforme).
Die Stiele der Fälblinge sind an der Spitze meist bereift, abwärts dann oft faserflockig oder feinschuppig besetzt. Allerdings kann im Alter oder durch Berührung des Stieles dieses Merkmal fehlen!
Einige Fälblingsarten haben einen Ring, wie z. B. der Wurzelnde Fälbling (Hebeloma radicosum) oder eine schleierartige Ringzone, die jedoch oft nur im Jugendstadium zu erkennen ist oder der Stiel hat keinen Ring und ist nur mehr oder weniger flockig oder schuppig besetzt, wie z. B.
Grosser Rettichfälbling (Hebeloma sinapizans)
Die Fälblinge wachsen alle auf dem Erdboden.

GIFTIGKEIT DER FÄLBLINGE
Nach Bresinsky und Besl sollten alle Fälblingsarten (Hebeloma spp.) als Speisepilze streng gemieden werden, da etliche Fälblingsarten Vergiftungen mit Magen-Darm-Beschwerden hervorgerufen haben und unterschiedliche Gifte bis hin zu Nervengiften enthalten können.
In der Gattung sind zwar bislang keine lebensbedrohlichen Giftpilze bekannt, zu Speisezwecken eignen sie sich jedoch trotzdem nicht!

TONBLASSER FÄLBLING (HEBELOMA CRUSTULINIFORME)
GIFTIGKEIT: verursacht nach Genuß leichte bis mittelschwere Magendarmbeschwerden (1,5)

SPINDELFÜSSIGER FÄLBLING (HEBELOMA SENESCENS)
GIFTIGKEIT: hat unangenehm bitteren Geschmack und soll nach Verzehr Magendarmbeschwerden verursachen (3)

SYMPTOME
Innerhalb kurzer Zeit bis 2-4 Stunden nach dem Verzehr verursachen etliche Fälblinge leichte bis mittelschwere Magendarmbeschwerden mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und eventuell Magenkrämpfe; siehe auch
Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung
TONBLASSER FÄLBLING (Hebeloma crustuliniforme): Spoerke und Rumak beschreiben, daß eine Familie 30 Min. nach dem Essen dieses Pilzes schläfrig wurden, einschliefen und nach dem Erwachen unter schweren Magenkrämpfen, Durchfall und Erbrechen litten; die Beschwerden besserten sich innerhalb eines Tages, bei einem Familienmitglied erst nach 3 Tagen.
LATENZZEITEN: kurze Latenzzeit von 0,5 bis wenige Stunden nach Pilzgenuß.


LAIENHILFE
Bei Verdacht auf Einnahme eines Pilzes dieser Gruppe kann die Gabe von medizinaler Kohle 30-50g (bei Kindern 1g / kg KG) die Resorption des Giftes verhindern, verzögern oder zumindest vermindern. Wegen der möglichen schweren Verläufe soll jeder Fall in einer Klinik beobachtet werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
siehe Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung

GIFTE
Welche der unten genannten Gifte die Magen-Darm-Beschwerden verursachen, oder ob noch andere Giftstoffe dafür verantwortlich sind ist derzeit nicht klar.
GROSSER RETTICHFÄLBLING (Hebeloma sinapizans): enthält Hebelomsäure (5)
TONBLASSER FÄLBLING (Hebeloma crustiliniforme): enthält cytotoxische Triterpene und Hebelomsäure (5)
Hebeloma senescens: enthält Hebelomsäure, Lanostantriterpene, Farnesansesquiterpene (5)
Hebeloma vinosophyllum: enthält Tripertenglycosid, das im Tierversuch neurotoxisch wirkt (1)

SYNONYME">BETROFFENE PILZE UND

SYNONYME
GROSSER RETTICHFÄLBLING (Hebeloma sinapizans): Rettichfälbling; Rettich-Fälbling
TONBLASSER FÄLBLING (Hebeloma crustuliniforme): tongrauer Fälbling; poison pie; ring hebeloma; tränender Rettichfälbling;
SPINDELFÜSSIGER FÄLBLING (Hebeloma senescens): Bräunender Fälbling; Hebeloma edurum; Hebeloma sinuosum
Hebeloma mesophaeum = Dunkelscheibiger Fälbling !
Hebeloma vinosophyllum: nur in Japan

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN

Grössere Fälblingsarten könnten evtl. mit Arten aus der Gattung der Ritterlinge (Tricholoma) verwechselt werden.
Die grösste Verwechslungsgefahr besteht jedoch darin, einzelne Arten innerhalb der Gattung der Fälblinge miteinander zu verwechseln.

SYNONYME
RETTICHFÄLBLING; Hebeloma sinapizans; großer Rettichfälbling; Rettich-Fälbling;
TONBLASSER FÄLBLING; Hebeloma crustuliniforme; tongrauer Fälbling; poison pie; ring hebeloma; tränender Rettichfälbling;
SPINDELFÜSSIGER FÄLBLING; Hebeloma senescens; Bräunender Fälbling; Hebeloma edurum; Hebeloma sinuosum;
Hebeloma mesophaeum; Hebeloma vinosophyllum;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Pilzvergiftung frühe Latenz; Fälblinge; gastrointestinales Pilzsyndrom; Hebeloma spp;

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J; Kränzlin F: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 2000


3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


5. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


6. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999