FLIEGENPILZ (Amanita muscaria)

FLIEGENPILZ (AMANITA MUSCARIA) Bild 1 
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Zilker Th; Kleber JJ; Haberl B. 1999

BESCHREIBUNG
Hut: Durchmesser 5-20 cm, jung halbkugelig und von einer weissen, warzig-flockigen Hülle umschlossen, später konvex bis flach mit leuchtend roter Farbe und den typischen weissen, warzigen Flocken. Hutrand im Alter gerieft.
Bei Regen kann die Hutfarbe orangegelb/bräunlich werden und die Flocken können fehlen !
Lamellen: weiss, dichtstehend, am Stiel nicht angewachsen
Sporenpulver weiss
Stiel: 6-20 cm lang, schlank, weiss, am Grund überhalb der Knolle mit gürtelartig, warzigen Flocken besetzt
Der Ring ist breit, häutig und glatt
Fleisch: weiss, nur unter der Huthaut gelb gefärbt
TYPISCHE MERKMALE: Durch den leuchtend roten Hut mit den weissen Flocken darauf, ist er kaum zu verwechseln.

VORKOMMEN
Juli bis November, meist gruppenweise in Nadelwäldern vor allem im Gebirge

GIFTIGKEIT
FLIEGENPILZ: ist der bekannteste europäische Giftpilz; schwere Vergiftungen sind möglich; die meisten Vergiftungen werden wissentlich durch Mißbrauch des Pilzes als Droge herbeigeführt.
KÖNIGSFLIEGENPILZ (Amanita regalis): gleiche Giftwirkung wie beim Fliegenpilz

SYMPTOME
Üblicherweise 0,5 bis 1-4 Stunden nach der Pilzmahlzeit Beginn Sehstörungen, dem Gefühl der Trunkenheit, des Schwebens, teils Bildersehen, fröhliche Stimmung, wie auch Niedergeschlagenheit, Angst oder Wutanfälle; schwereren Vergiftungen folgen Verwirrtheit, Muskelzuckungen und selten Krampfanfall und tiefe Bewußtlosigkeit. Selten kommt es zu Speichelfluß, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Die Symptome sind meist für 3-4 Stunden schwer und klingen dann während der nächsten 10 bis 14 Stunden ab.
siehe auch FLIEGENPILZ- PANTHERPILZ- SYNDROM
LATENZZEITEN:
Beschwerdebeginn 0,5-1-3 Stunden nach der Pilzmahlzeit;
Dauer der Beschwerden meist nur 10-14 Stunden.

LAIENHILFE
Falls noch keine Beschwerden aufgetreten sind sollte sofort 20-40g medizinsiche Kohle (beim Kind 1g pro kg KG) eingenommen werden und dann ein Krankenhaus aufgesucht werden, wobei der Betroffene auf keinen Fall selbst Autofahren darf. Wegen möglicher schwerer Verläufe und möglichen psychischen Fehlreaktionen muß jeder Fall im Krankenhaus überwacht werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
siehe FLIEGENPILZ- PANTHERPILZ- SYNDROM

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
wegen des sehr typischen und gut bekanntem Aussehens bestehen für den Fliegenpilz normalerweise keine Verwechslungsmöglichkeiten, und die meisten Vergiftungen sind durch wissentliche Einnahme wegen Drogenabusus verursacht.
In wärmebegünstigten Gebieten wie Oberrheingebiet, Burgenland, West- und Südalpen, südliches Europa kann es zu Verwechslungen mit dem essbaren Kaiserling (Amanita caesarea) kommen: Er unterscheidet sich durch seinen rotorangen Hut, der in der Regel frei von weissen Velumresten (Flocken) ist. Ausserdem sind seine Lamellen schon jung hellgelb und auch der Stiel ist gelblich.
GIFT UND GIFTWIRKUNG
siehe FLIEGENPILZ- PANTHERPILZ- SYNDROM

SYNONYME
Fliegenpilz; roter Fliegenpilz; Amanita muscaria; Königsfliegenpilz; Amanita regalis; Kaiserling; Amanita caesarea;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Amanita spp.; Pilzvergiftung kurze Latenz;

LITERATUR

Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999