FRÜHJAHRSLORCHEL (Gyromitra esculenta)

FRUEHJAHRSLORCHEL (GYROMITRA ESCULENTA) Bild 1 
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Kleber JJ; Haberl B; Zilker Th 2000

BESCHREIBUNG
Hut: 2-10 cm hoch, rundlich, unregelmässig faltig, hirnartig-lappig gewunden. Farbe anfangs kastanienbraun, später kaffeebraun bis schwarzbraun. Hutrand ohne Abgrenzung mit Stiel ungleichmässig verwachsen.
Stiel: 3-5 cm lang, hohl, weisslich, unregelmässig geformt, längsfaltig, runzelig, Oberfläche feinfilzig bereift.
Fleisch: weisslich, angenehmer Geruch
TYPISCHE MERKMALE: Im Frühjahr wachsender, mittelgrosser Pilz mit rotbraunen bis schwarzbraunen, hirnartig gewundenen Hut und einem kurzen, längsfaltigen Stiel.

VORKOMMEN
Im Frühjahr vor allem in Kiefernwälder auf sandigen Böden, Nadelwälder, junge Schonungen, Kahlschläge, bei Holzabfällen und auf Rindenmulch unter Sträuchern und somit in Gärten und Parkanlagen möglich !

TOXIZITÄT
Der Pilz ist immer giftig bis tödlich giftig, obwohl teils behauptet wurde, der Pilz sei nach langem Kochen eßbar; sogar die beim Kochen entweichenden Dämpfe können das GYROMITRA-SYNDROM verursachen

SYMPTOME
LATENZZEITEN: (5)-6-12(-50) Stunden nach Pilzmahlzeit; schon 2-8 Stunden nach Einatmen der Dämpfe beim Pilzkochen.
Normalerweise treten 6 bis 24 Stunden nach der Pilzmahlzeit plötlich krampfhafte Blähungen, Übelkeit und Erbrechen auf und können bis 2 Tagen anhaltend; eventuell erscheinen auch Schwindel und Krampfanfälle und nach 24 Stunden eine Erhöhung der Leber-Transaminasen und des Bilirubin;


LAIENHILFE
In jedem Fall nach Lorchelmahlzeit 20 bis 50g medizinale Kohle verabreichen und den Patieneten immer im Krankenhaus für mindestens 2 Tage beobachten und nur bei totaler Beschwerdefreiheit entlassen; wegen der Seltenheit und der gefährlichkeit dieser Pilzvergiftung muß immer ein Giftnotruf zugezogen werden (Giftnotruf München 089 / 19240)

ÄRZTLICHE THERAPIE
siehe GYROMITRA-SYNDROM

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Riesenlorchel (Gyromitra gigas): sieht der Frühjahrslorchel sehr ähnlich (sichere Unterscheidung nur mikroskopisch) sie wird etwas grösser, kommt vor allem in Bergfichtenwälder vor und ist sehr selten.
Bischhofsmütze (Gyromitra infula): erscheint nicht im Frühjahr, sondern erst im Herbst. Der braune Hut ist unregelmässig gefaltet mit zwei bis vier tütenförmigen Spitzen, die durch zusammengebogene Hutlappen gebildet werden.
ESSBARE DOPPELGÄNGER:
Die Morcheln und Verpeln erscheinen ebenso wie die Frühjahrslorchel im Frühling, so dass es zu Verwechslungen kommen kann.
Speisemorchel (Morchella esculenta) unterscheidet sich gut durch den honiggelben Hut, der durch unregelmässig laufende Rippen eine wabenartige mit tiefen Gruben gestaltete Oberfläche besitzt.
Spitzmorchel (Morchella conica) besitzt einen langkegelförmigen, graubraunen Hut mit relativ regelmässiger, wabenartiger Oberfläche.

SYNONYME
Frühlorchel; Frühjahrs-Lorchel; Giftlorchel; Stockmorchel; Speiselorchel; Gyromitra esculenta;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Lorchel; Gyromitra spp; Schlauchpilze; Ascomyceten; Pilzvergiftung lange Latenz

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


7. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


8. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


9. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197


10. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999