GEMEINER KARTOFFELBOVIST (Scleroderma citrinum)

GEMEINER KARTOFFELBOVIST (SCLERODERMA CITRINUM) Bild 1 
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Kleber JJ; Haberl B; Zilker Th 2000

BESCHREIBUNG
FRUCHTKÖRPER: unregelmässig kugelig, Durchmesser 5-12 cm, stiellos, Basis zusammengezogen, durch verzweigte Mycelstränge wurzelnd aussehend. Oberfläche auf blass braungelben Grund durch feine bis grobe, braune Schuppen gefeldert. Die durch eine bis zu 5 mm dicke, im Schnitt weisse Schale getrennte Innenmasse ist anfangs fest und weisslich, dann schwarz und weisslich marmoriert, bei Sporenreife wird sie pulverig, der Pilz reisst am Scheitel ein, wodurch die Sporen ausstäuben können. Der Pilz riecht unangenehm.
TYPISCHE MERKMALE: Kartoffelähnlicher Pilz mit gelbbrauner Farbe und braunen Schuppen, einer dicken Schale und anfangs weisser, dann schwärzlicher Innenmasse, die bei Reife pulverig wird und durch Risse am Scheitel ausstäuben kann.

VORKOMMEN
Juli bis November innerhalb und ausserhalb von Wäldern und in Mooren, häufiger Pilz.

GIFTIGKEIT
Gemeiner Kartoffelbovist (Scleroderma citrinum): Magen-Darm-Probleme und Kollaps; der dünnschalige Kartoffelbovist (Scleroderma verrucosum) ist ähnlich zu bewerten.

SYMPTOME
Gemeiner Kartoffelbovist (Scleroderma citrinum): schon 30-45 Min. nach der Pilzmahlzeit kann Erbrechen, Schweißausbruch, Bauchschmerzen; Blähungen, Schwäche, niederer Blutdruck mit Schwindel und Kollaps, angeblich auch Bewußtlosigkeit auftreten;
bei Alkoholgenuß nach der Pilzmahlzeit sei eine Alkoholunver-träglichkeitsreaktion Coprinus Syndrom möglich (5;11)
Scleroderma cepa: Einzelfälle über Pilzvergiftung bei Verspeisen eines rohen Pilzes mit Magendarmproblemen sind berichtet (1,5)
LATENZZEITEN: bei Scleroderma citrinum Beschwerden bald nach der Pilzmahlzeit, evtl. schon nach 30-40 Minuten bis 1 Stunde (5,11)


LAIENHILFE
Bei frühzeitigem Verdacht medizinische Kohle 20-40g (bei Kindern 1g / kg KG); in jedem Fall muß der Erkrankte vom einem Arzt untersucht werden; durch Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale (GIFTNOTRUF MÜNCHEN 089 / 19240) sollte die Nötigkeit weiterer Diagnostik und die Notwendigkeit zur Einweisung in eine Klinik besprochen werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
Bei Magen-Darm-Symptomen
siehe Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung


VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Essbare Doppelgänger:

Flaschenstäubling (Lycoperdon perlatum) unterscheidet sich durch seine Gestalt, die in ein kugeliges Kopfteil und einem abrupt abgesetzten Stielteil gegliedert ist. Der Fruchtkörper ist jung weisslich, später ockerlich und mit verschiedengrossen Warzen besetzt. Die Fruchtmasse im Kopfteil ist jung weiss, bei Reife olivbräunlich.
Es gibt auch Stäublinge ohne ausgeprägten Stielteil, die somit vielleicht eher verwechselbar wären. Sie haben jedoch niemals so eine dicke Schale und keine grobschuppige Felderung wie der gemeine Kartoffelbovist. Die Oberfläche der Stäublinge ist entweder feinkörnig, feinwarzig, kurz oder langstachelig.
Weitere nicht geniessbare Doppelgänger finden sich innerhalb der Gattung der Kartoffelboviste (Scleroderma) Sie gelten alle als nicht geniessbar!
->Dünnschaliger Kartoffelbovist (Scleroderma verrucosum)
->Getupfter Kartoffelbovist (Scleroderma areolatum)
->Netzsporiger Kartoffelbovist (Scleroderma bovista)

TOXINE
Die Beschwerden verursachenden Giftstoffe sind unbekannt(1,5

SYNONYME
Scleroderma aurantium; Scleroderma citrinum; KARTOFFELBOVIST (Scleroderma citrinum); Echter Kartoffelbovist; Gemeiner Kartoffelbovist; Dickschaliger Kartoffelbovist; Scleroderma cepa; Scleroderma vulgare; poison puffball; puffball poisonous; big skin poison puff ball; Hartbovist; Schweinetrüffel; pigskin; Scleroderma verrucosum; Dünnschaliger Kartoffelbovist; Getupfter Kartoffelbovist; Scleroderma areolatum; Netzsporiger Kartoffelbovist; Scleroderma bovista;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Pilzvergiftung frühe Latenz; gastrointestinales Pilzsyndrom; Boviste; Scleroderma spp;

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J; Kränzlin F: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


7. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


8. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


9. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


9. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197


10. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999


11. Giftnotruf München: KARTOFFELBOVIST (Scleroderma citrinum)-Kasuistiken. aus: Ganzert M., Kleber J.J., Zilker Th. (Hrsg.) TOXINFO Giftnotruf München 1999