GEWÄCHSHAUS-GIFTSCHIRMLING (Lepiota citrophylla)

Haberl B; Zilker Th 2000

BESCHREIBUNG
Hut: 2-5 cm Durchmesser, jung gewölbt, später flach ausgebreitet, mit eingesenkter oder flach gebuckelter Mitte. Oberfläche auf schwefelgelben Grund konzentrisch mit braunen bis rostbraunen Schüppchen dicht besetzt, so dass die Brauntöne überwiegen ! Gegen den Hutrand weniger dicht besetzt, Hutrand leicht gerippt.
Lamellen: kräftig schwefelgelb bis grünlichgelb, am Stiel nicht angewachsen. Sporenpulver weiss.
Stiel: 3-6 cm lang, hellgelb, unterhalb der faserflockigen Ringzone ist der Stiel zunehmend braunflockig geschuppt, gegen die Basis rötlichbraun fleckend, Basis verjüngt oder verdickt.
Fleisch: gelblich, Geruch pilzartig.
TYPISCHE MERKMALE: Kleiner Lamellenpilz mit einem ausgebreiteten, braunbeschuppten Hut, schwefelgelben Lamellen und einem hellgelben Stiel, der gegen die rötlichbraune Basis zunehmend braunflockig besetzt ist.

VORKOMMEN
In beheizten Gewächshäusern, wohl eher selten im Freiland bei mildem Klima: Laut Literatur in sandigen Wäldern auf Kalk (7), bzw. Fundmeldungen aus England, Frankreich und Marokko (2). Nach Bresinsky und Besl (1) ist der Pilz in den Tropen beheimatet (Ceylon) und wurde mittels Pflanzen in Gewächshäuser eingeschleppt !

GIFTIGKEIT
Der Gewächshaus-Giftschirmling enthält Amatoxin und müßte das das Amatoxinsyndrom verursachen können.

SYMPTOME
Magen-Darm-Symptome: Nach einer beschwerdefreien Zeit von (6)-8-12-(24) Stunden nach der Pilzmahlzeit kommt es zu einer schweren 6-9 Stunden anhaltenden Gastroenteritis mit choleraartigem Durchfall und Erbrechen. Erbrechen kürzer als 6 Stunden nach einer Pilzmahlzeit ist durch andere Giftpilze verursacht, die schlimmstenfalls zusätzlich zu amatoxinhaltigen Pilzen eingenommen wurden.
Stadium der Leberschädigung: nach dem Ende der Magen-Darm-Beschwerden kann nach einer kurzen Zeit der trügerischen Besserung 24 bis 48 Stunden nach der Pilzmahlzeit die Phase der Leberschädigung folgen mit einem Anstieg der Leberwerte; bei schweren Vergiftungen kann es zu Blutgerinnungsstörungen und Bewußtseinsstörungen durch Leberversagen kommen
LATENZZEITEN:
erste Magen-Darmprobleme 8 bis 12 Stunden (frühestens 6 und spätestens 24 Stunden) nach der Pilzmahlzeit. Leberenzymerhöhung 24-48 Stunden nach der Pilzmahlzeit mit maximalen Werten am 2. Bis 4. Tag.
Ausführliche Symptombeschreibung siehe Amatoxinsyndrom

LAIENHILFE
Jeder Fall mit Verdacht auf Verzehr von amatoxinhaltigen Pilzen muß schnellstmöglich in ärztliche Therapie und nach dort eingeleitetem Erbrechen immer in einer Klinik weiter behandelt werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
siehe Amatoxinsyndrom

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Gelber Faltenschirmling (Leucocoprinus birnbaumii) ist des öfteren in Blumentöpfen und Gewächshäusern, meist zu mehreren, anzutreffen. Er unterscheidet sich durch seinen lange glockig bleibenden, zerbrechlichen Hut. Dieser ist schwefelgelb gefärbt und mit goldgelben, am Hutscheitel oft mit bräunlichgelben Flöckchen fein besetzt. Der Stiel ist ebenfalls schwefelgelb und hat keine braunen Schüppchen. Ausserdem hat er einen aufsteigenden, deutlichen, alt vergänglichen Ring.
Weitere Verwechslungsmöglichkeiten:
könnten innerhalb der Gattung Schirmlinge (Lepiota spp.) auftreten. Der Gewächshaus-Giftschirmling ist durch seinen Standort und die gelben Farben relativ gut gekennzeichnet, siehe Giftschirmlinge (Lepiota spp. giftige)
Mit Speisepilzen dürfte es nicht zu Verwechslungen kommen, da schon aufgrund der Kleinheit der Pilze nur wenig Interesse bestehen dürfte, den Pilz zu essen.
Eine mögliche Gefahr könnte eher darin bestehen, dass evtl. Kinder die in Blumentöpfen (Wintergarten? Gewächshäuser!) wachsenden Pilze in den Mund nehmen!

SYNONYME
Gelbblättriger Schirmling; Lepiota citrophylla; Lepiota xanthophylla; Schirmling gelbblättriger; Gewächshausschirmling;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze Giftige; Pilze; Schirmlinge; Lepiota spp; Pilzvergiftung lange Latenz; Giftschirmlinge; Amatoxinsyndrom; Lepiota amatoxinhaltige; Blumentopfpilze

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


7. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


8. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


9. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197


10. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999