GIFTIGE REIZKER (Lactarius spp.)

Haberl B; Kleber JJ; Zilker Th 2000

TYPISCHE MERKMALE VON LACTARIUS SPP
Bei den Milchlingen (Reizkern) handelt es sich meist um mittelgrosse Lamellenpilze, deren Fruchtkörper spröde und brüchig sind. Die Pilzhüte sind gewölbt oder verflacht und trichterförmig vertieft, der Hutrand ist oft/lange eingerollt. Die Lamellen splittern leicht und laufen mehr oder weniger am Stiel herab.
Schneidet man einen Milchling durch, so tritt an den Schnittstellen ein Milchsaft aus (bei alten Pilzen kann er evtl eingetrocknet sein !). Der Milchsaft kann wässrig, weiss oder gefärbt sein, manche Milchsäfte verfärben sich auch nach einiger Zeit an der Luft.
In der Regel wird davon ausgegangen, dass Pilze mit bitter oder scharf schmeckenden Milchsaft nicht geniessbar oder sogar giftig sind. Es gibt aber auch Milchlinge mit mild schmeckendem Milchsaft, die ungeniessbar sind !

GIFTIGKEIT
Giftige Reizker oder Milchlinge in Mitteleuropa haben ungekocht immer einen scharf-brennenden Saft (wenn auch nicht alle scharf schmeckenden Reizker giftig sind) (1,5)
BRUCHREIZKER (Lactarius helvus) verursacht schwere Magen-Darm-Probleme; roh stark reizend (1,5)
Goldflüssiger Milchling (Lactarius chrysorrheus): verdächtig Magen-Darm-Probleme zu verursachen; roh stark reizend (5)
->Zonenmilchling (Lactarius insulsus): verdächtig Magen-Darm-Probleme zu verursachen; roh stark reizend (5)
->Pfeffermilchling (Lactarius piperatus): Magen-Darm-Probleme sind berichtet; roh stark reizend (5)
Rotbraner Milchling (Lactaius rufus): Magen-Darm-Probleme sind berichtet (3); roh stark reizend (5)
->Grubiger Milchling (Lactarius scrobiculatus): Magen-Darm-Probleme sind berichtet (5)
->Birken-Reizker (Lactarius torminosus): verursacht heftige Magen-Darm-Probleme, außer nach spezieller Zubereitung (3); roh stark reizend (5)
Nordischer Milchling (Lactarius trivialis): Magen-Darm-Probleme sind zu erwarten, bei normaler Zubereitung (5)

SYMPTOME
Bei allen giftig wirkenden Reizkern ist mit einer
->Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung zu rechnen, wobei die Beschwerden sehr bald nach der Pilzmahlzeit einsetzen, und unterschiedlich stark sein können.
URINVERFÄRBUNG: selten tritt nach dem Genuß von Reizkern mit orangem oder rotem Milchsaft eine brau-rötliche Urinverfärbung auf, die jedoch harmlos ist und keinen Krankheitswert besitzt (5).
BRUCHREIZKER (Lactarius helvus) 15 Minuten bis 1 Stunde nach einer Bruchreizker-Mahlzeit können abhängig von der Pilzmenge Erbrechen, Bauchschmerzen, Speichelfluß, diffuser Durchfall und Kollapssymptome wie Schwindel und Frieren auftreten. auftreten (1,5).

LATENZZEITEN: meist schon 15 Minuten bis 1 Stunde nach der Pilzmahlzeit; roh sofortiges Brennen des scharfen Milchsaftes.


LAIENHILFE
in jedem Fall mit Beschwerden muß der Erkrankte vom einem Arzt untersucht werden; durch Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale (GIFTNOTRUF MÜNCHEN 089 / 19240) sollte die Nötigkeit weiterer Diagnostik und die Notwendigkeit zur Einweisung in eine Klinik besprochen werden;

ÄRZTLICHE THERAPIE
Siehe Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Pilze aus der Gattung der Milchlinge (Lactarius) können aufgrund ihres an Bruchstellen austretenden Milchsaftes kaum mit Pilzen anderer Gattungen verwechselt werden. Eine gewisse Ähnlichkeit zeigen die Täublinge (Russula), die ebenfalls spröde und brüchige Fruchtkörper bilden, jedoch keinen Milchsaft besitzen.
Braun gefärbte Milchlinge, wie der Tannenreizker (Lactarius necator) könnten möglicherweise mit Kremplingen (Paxillus) verwechselt werden.

SYNONYME">BETROFFENE PILZE UND

SYNONYME
BRUCHREIZKER (Lactarius helvus) filziger Milchling; tawny lactarius; lactaire brun-jaune;
Goldflüssiger Milchling (Lactarius chrysorrheus)
->Zonenmilchling (Lactarius insulsus): orangenfarbener Zonenmilchling
->Pfeffermilchling (Lactarius piperatus): grüner Pfeffermilchling; grauender Pfeffermilchling;
->Rotbraner Milchling (Lactaius rufus)
->Grubiger Milchling (Lactarius scrobiculatus): strohgelber Milchling; Milchling grubiger; grubiger Erdschieber;
->Birken-Reizker (Lactarius torminosus) Lactarius tomentosus
->Nordischer Milchling (Lactarius trivialis): Blau-Reizker

TOXINE
Der scharfe brennende Geschmack ist durch eine Gruppe von Sesquiterpenen verursacht; die Magen-Darm-Beschwerden verursachenden Toxine sind nicht bekannt (1,5).

SYNONYME
goldflüssiger Milchling; Lactarius chrysorrheus;
Zonenmilchling; Lactarius insulsus; orangenfarbener Zonenmilchling;
Pfeffermilchling; Lactarius piperatus; grüner Pfeffermilchling; grauender Pfeffermilchling; Pfeffermilchling grauender;
rotbraner Milchling; Lactarius rufus; Milchling rotbraner;
grubiger Milchling; Lactarius scrobiculatus; strohgelber Milchling; Milchling grubiger; grubiger Erdschieber;
nordischer Milchling; Lactarius trivialis; Blau-Reizker; Blaureizker;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Pilzvergiftung kurze Latenz; gastrointestinales Pilzsyndrom; Lactarius spp; Reizker

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


5. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


6. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


7. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999