GIFTSCHIRMLINGE (Lepiota spp. giftige)

Haberl B; Kleber JJ; Zilker Th 2000

BESCHREIBUNG
Bei den amatoxinhaltigen Giftschirmlingen handelt es sich um kleine Arten mit einem Hutdurchmesser von ca. 2-4(6) cm. Die Hüte sind auf hellem Grund mit braunen, rötlichbraunen, mehr oder weniger stark ausgeprägten Schüppchen besetzt. Oft weisen die Hüte oder auch der Stiel lila, rosa, weinbraune oder rötliche Farben auf. Der meist schlanke Stiel besitzt
- oft nur bei jungen Exemplaren gut erkennbar - einen Ring bzw. eine Ringzone, unterhalb derer ist der Stiel oft schuppig.
Gewächshaus-Giftschirmling (Lepiota citrophylla): fällt im Aussehen etwas aus der Reihe: der Stiel und die Lamellen sind schwefelgelb. Der ebenfalls gelbe Hutgrund ist dichtbesetzt mit braunen Schuppen. Der Stiel hat eine braune, faserschuppige Ringzone und ist bis zur Basis hin braun schuppig besetzt.
Mittelgrosse Schirmlinge (Gattung Lepiota, Sektion Amyloideae und Echinatae) haben einen Hutdurchmesser bis zu 15 cm. Derzeit sind keine amatoxinhaltigen Arten bekannt, jedoch werden sie zumindest als ungeniessbar bzw. als mit unbekannten Wert eingestuft. Einige Arten sollen bereits Gesundheitsschäden verursacht haben (2).

VORKOMMEN
Die amatoxinhaltigen Schirmlinge sind in der BRD selten, da sie in der Regel wärmebegünstigte Regionen wie Südeuropa vorziehen. Sie sind je nach Art in Laub- und Nadelwäldern, an grasigen Stellen, in Parks oder auch in Gärten zu finden.
Eine Ausnahme ist der Gewächshaus-Giftschirmling (Lepiota citrophylla), der wie der Name schon verrät, in Pflanzungen von Treibhäusern wächst.

GIFTIGKEIT
Gewächshaus-Giftschirmling (Lepiota citrophylla): enthält Amatoxin und ist möglicherweise tödlich giftig
Spitzschuppiger Schirmling (Lepiota aspera): Verursacht ernsthafte Gesundheistschäden (2)
Lepiota perplexa: verursacht eventuell Gesundheitsschäden

VERURSACHENDE PILZE
Fleischrötlicher Giftschirmling (Lepiota brunneo-incarnata) enthält Amatoxin bis 1,3 mg/g Trockengewicht (8)
Gewächshaus-Giftschirmling (Lepiota citrophylla): ist amatoxinhaltig
Fleischrosa Schirmling (Lepiota helveola): enthält Amatoxin
->Lepiota josserandi: enthält Amatoxin bis 3,5 mg / g Trockengewicht (8)
->Lepiota fulvella: enthält Amatoxin
Weiter giftverdächtig sind: Lepiota brunneolilacea; Lepiota clypeolarioides; Lepiota heimii; Lepiota pseudohelveola; Lepiota josserandii; Lepiota subincarnata; Rotbrauner oder Kastanienbrauner Schirmling (Lepiota castanea); Lepiota rufescens;

SYMPTOME

Magen-Darm-Symptome: Nach einer beschwerdefreien Zeit von (6)-8-12-(24) Stunden nach der Pilzmahlzeit kommt es zu einer schweren 6-9 Stunden anhaltenden Gastroenteritis mit choleraartigem Durchfall und Erbrechen. Erbrechen kürzer als 6 Stunden nach einer Pilzmahlzeit ist durch andere Giftpilze verursacht, die schlimmstenfalls zusätzlich zu amatoxin- haltigen Pilzen eingenommen wurden.
Stadium der Leberschädigung: nach dem Ende der Magen-Darm-Beschwerden kann nach einer kurzen Zeit der trügerischen Besserung 24 bis 48 Stunden nach der Pilzmahlzeit die Phase der Leberschädigung folgen mit einem Anstieg der Leberwerte; bei schweren Vergiftungen kann es zu Blutgerinnungsstörungen und Bewußtseinsstörungen durch Leberversagen kommen
LATENZZEITEN:
erste Magen-Darmprobleme 8 bis 12 Stunden (frühestens 6 und spätestens 24 Stunden) nach der Pilzmahlzeit. Leberenzymerhöhung 24-48 Stunden nach der Pilzmahlzeit mit maximalen Werten am 2. Bis 4. Tag.
Ausführliche Symptombeschreibung siehe ->Amatoxinsyndrom

LAIENHILFE
Jeder Fall mit Verdacht auf Verzehr von amatoxinhaltigen Pilzen sollte schnellstmöglich in ärztliche Therapie und nach dort eingeleitetem Erbrechen immer in einer Klinik weiter behandelt werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
siehe Amatoxinsyndrom

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Innerhalb der Gattung Schirmlinge (Lepiota) gibt es eine Reihe von relativ kleinen (Hutdurchmesser 1-5 cm) Arten, die sich sehr ähnlich sehen und selbst von Pilzkennern oft nur mikroskopisch genau identifiziert werden können.
Besonders giftverdächtig sind Arten mit rötlichen, lila oder fleischrosa Farben.
Da die amatoxinhaltigen Schirmlinge sehr klein sind, kommt es eigentlich nicht zu Verwechslungen mit den für gewöhnlich gesammelten Speisepilzen.

SYNONYME
Fleischrötlicher Giftschirmling; Fleischbräunlicher Giftschirmling; Lepiota brunneo-incarnata; Lepiota brunneoincarnata; Lepiota xanthophylla; Gelbblättriger Giftschirmling; Fleischrosa Schirmling; Lepiota helveola; Gewächshaus-Giftschirmling; Lepiota citrophylla; Lepiota brunneolilacea; Lepiota clypeolarioides; Lepiota heimii; Lepiota pseudohelveola; Lepiota josserandii; Lepiota subincarnata; Rotbrauner Schirmling; Kastanienbrauner Schirmling; Lepiota castanea; Lepiota rufescens; Lepiota josserandi; Lepiota fulvella;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze Giftige; Pilze; Schirmlinge giftige; Lepiota giftige; Amatoxinsyndrom; Giftschirmlinge; Lepiota spp; Lepiota amatoxinhaltige;

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


7. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


8. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


9. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197


10. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999