GRÜNBLÄTTRIGER SCHWEFELKOPF (Hypholoma fasciculare)

GRUENBLAETTRIGER SCHWEFELKOPF (HYPHOLOMA FASCICULARE) Bild 1 
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Haberl B; Kleber JJ; Zilker JJ 2000

BESCHREIBUNG
Hut: Durchmesser 3-7 cm, jung halbkugelig bis glockig, später ausgebreitet, oft gebuckelt. Farbe lebhaft schwefelgelb oft grünlichgelb, in der Hutmitte orange-fuchsig
Lamellen: jung schwefelgelb bis grünlichgelb, später graubraun, dichtstehend, ausgebuchtet angewachsen.
Sporenpulver braunviolett
Stiel: 4-9 cm lang, schlank, längsfaserig, ganz jung erkennbarer zarthäutiger, gelber Ring/Ringzone. Jung schwefelgelb und an der Stielspitze auch bleibend, zur büschelig verwachsenen Stielbasis hin im Alter zunehmend bräunend.
Fleisch: schwefelgelb, bitterer Geschmack
TYPISCHE MERKMALE: Holzbewohnender, schwefelgelb leuchtender Pilz mit grünlichen, später graubraunen Lamellen, büschelig zusammengewachsene Stiele und bitteren Geschmack.

VORKOMMEN
Frühjahr bis Spätherbst, oft in grossen Mengen in dichten Büscheln an Laub- und Nadelholz.

GIFTIGKEIT
Verursacht Magen-Darm-Probleme (1,3,5)
Bei den berichteten Todesfällen mit Leber- und Nierenversagen könnte eine Verwechslung mit dem Nadelholzhaeubling (Galerina marginata) vorgelegen haben (1,5)

SYMPTOME
Es wurden Bauchschmerzen und Durchfall berichtet (1,5)
Im Tierversuch intrapertoneal verabreicht verursachten die Pilzgifte Fasciculol E und F Lähmung (5)


LAIENHILFE
Bei frühzeitigem Verdacht medizinische Kohle 20-40g (bei Kindern 1g / kg KG); in jedem Fall in einer Klinik für mindestens 6 Stunden beobachten, da Nervensymptomen nicht ausgeschlossen sind, und nur wenig über die genaue Giftwirkung bekannt ist.

ÄRZTLICHE THERAPIE
Wichtig ist eine sorgfältige klinische Beobachtung mit Kontrolle von Leber- und Nierenwerten und Blutbild, da nur unzureichende Angaben über Vergiftungen mit diesem Pilz vorliegen.
Magendarmsymptome werden behandelt wie eine eine Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Bestehen vor allem mit ebenfalls an Holz wachsenden Pilzen. TÖDLICH GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Nadelholzhaeubling (Galerina marginata) sei nur als bekanntester der amatoxinhaltigen Häublinge genannt ! Er ist kleiner/zarter und hat bräunliche Farben, niemals schwefelgelbe oder grüngelbe.
Spitzbuckeliger Rauhkopf (Cortinarius rubellus) wächst nicht an Holz und ist ein kräftig orangefuchsig gefärbter Pilz mit zimtbraunen Lamellen und einem spitzen Buckel am Hut.
Orangefuchsiger Rauhkopf (Cortinarius orellanus) unterscheidet sich durch seinen orangefuchsigen, nicht spitz gebuckelten Hut und einem helleren, glatten Stiel und zimtbraunen Lamellen, wächst nicht an Holz.
GIFTIGTIGE DOPPELGÄNGER:
Ziegelroter Schwefelkopf (Hypholoma sublateritium): wächst ebenfalls büschelig an Holz, ist jedoch grösser und hat einen auffallend ziegelroten Hut und nie schwefelgelbe/grüngelbe Lamellen.
->Sparriger Schueppling (Pholiota squarrosa) ist gut zu unterscheiden durch seine auffallenden rostbraunen, sparrig abstehenden Schüppchen an Hut und Stiel.
ESSBARE DOPPELGÄNGER:
Rauchblaettriger Schwefelkopf (Hypholoma capnoides) ist der klassische Doppelgänger. Er unterscheidet sich gut durch seine anfangs weisslichen, später rauchgrauen Lamellen und seinen milden Geschmack. Ausserdem fehlt ihm die leuchtende schwefelgelbe Farbe.
Stockschwaemmchen (Kuehneromyces mutabilis) ist ein ebenfalls büschelig wachsender Pilz, der jedoch je nach Witterung einen braungelben Hut mit hellerer Mitte und dunklerer Randzone hat. Der ockerfarbene Stiel ist unterhalb des Ringes mit braunen Schuppen besetzt, der Geschmack ist mild.
Samtfussruebling (Flammulina velutipes) ist ein Winterpilz der gut zu erkennen ist mit seinem honiggelben Hut und den schwarzsamtigen Stiel.

TOXINE
Verschiedene Triterpene wie Fasciculole E und F, die im Tierversuch bei Injektion Lähmungen verursachen; außerdem die Cytotoxine Naematolin (bitter) und Naematolon (1)

SYNONYME
Schwefelkopf grünblättriger; Bitterer Schwefelkopf; Hypholoma fasciculare; Naematoloma fasciculare; Nematoloma fasciculare; sulfur tuft; agaric dore; ifoloma fasciculato; sulfur cap; sulfur tuft;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Schwefelköpfe; Hypholoma spp; gastrointestinales Pilzsyndrom; Pilzvergiftung kurze Latenz

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


5. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


6. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


7. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999