HALLIMASCH (Armillaria mellea)

HALLIMASCH (ARMILLARIA MELLEA) Bild 1 
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Haberl B; Kleber JJ; Zilker Th 2000

BESCHREIBUNG
Hut: Durchmesser 4-12 cm, jung halbkugelig mit eingebogenem Rand, später flach bis gewellt ausgebreitet. Hutfarbe honigbraun bis fuchsigbraun. Oberfläche mit abwischbaren, gelbbraunen bis schwarzbraunen, vergänglichen Schüppchen bedeckt.
Lamellen: am Stiel angewachsen, streifenförmig kurz herablaufend, erst cremeweiss, später hellbraun-rötlich, bräunlich fleckend, bei Sporenreife weiss bestäubt,
Sporenpulver weiss
Stiel: 4-12 cm lang, schlank, dicht büschelig miteinander verwachsen, weisslich-fleischfarben zur Basis hin etwas dunkler werdend und mit einzelnen Flöckchen besetzt. Der weissliche, dauerhafte Ring ist dickhäutig und unterseits schuppig.
Fleisch: hellbräunlich, Stiel ist zäh, nur die Hüte werden zum Kochen verwendet. Geschmack zunächst mild, nach längerem Kauen unangenehm, im Rachen kratzend
TYPISCHE MERKMALE: Auf Holz büschelig wachsender Massenpilz mit braunen, abwischbaren Flocken am Hut, einem längsfaserigen, cremeweissen, mit Flöckchen besetzten, beringten Stiel.

VORKOMMEN
Ab September auf abgestorbenen oder lebenden Laub- und Nadelbäumen, an unterirdischen Wurzeln scheinbar aus dem Boden wachsend. Die Pilze sind büschelig miteinander verwachsen und treten meist in Massen auf.

GIFTIGKEIT
Gilt als Speisepilz, ist aber ungenügend gekocht oder roh giftig und verursacht dann heftige Magen-Darm-Beschwerden (erstes Kochwasser wegschütten, nicht geeignet zum Braten); manche Personen vertragen den Pilz auch gekocht nicht.
ARMILLARIELLA SP.: für alle Hallimasch-Unterarten ist die selbe Toxizität anzunehmen (1)

SYMPTOME
Besonders nach dem Genuß roher oder ungenügend gekochter Pilze kommt es frühestens nach 1 bis 4 Stunden eventuell sogar auch nach bis zu 10 Stunden zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Darmkrämpfen, selten auch zu Kreislaufbeschwerden, Schweißausbruch und Schwäche (eventuell als Folge des Durchfalles).
LATENZZEITEN: 1-4 Stunden, in Ausnahmefällen bis 10 Stunden


LAIENHILFE
in jedem Fall mit Beschwerden muß der Erkrankte vom einem Arzt untersucht werden; durch Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale (GIFTNOTRUF MÜNCHEN 089 / 19240) sollte die Nötigkeit weiterer Diagnostik und die Notwendigkeit zur Einweisung in eine Klinik besprochen werden; bei spät auftretenden Beschwerden (nach 6 Stunden) muß in jedem Falle in einer Klinik das Amatoxinsyndrom ausgeschlossen werden

ÄRZTLICHE THERAPIE
Siehe Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Innerhalb seiner Gattung kann er verwechselt werden, da man den Hallimasch (Armillaria mellea) in mehrere schwer unterscheidbare Kleinarten aufteilt. Weitere Verwechslungen
bestehen vor allem mit ebenfalls büschelig an Holz wachsenden Pilzen.
TÖDLICH GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Nadelholzhaeubling (Galerina marginata) sei nur als bekanntester der amatoxinhaltigen Häublinge genannt ! Er sieht dem Hallimasch nicht ähnlich, ist aber ebenfalls ein holzbewohnender Pilz, der zudem für tödlich verlaufende Vergiftungen verantwortlich ist.
Er ist ein kleiner/zarter Pilz mit bräunlichen Farben, einer oft undeutlichen Ringzone, darunter ist der Stiel silbrig überfasert, der Hut ist nicht mit Schüppchen besetzt.
Spitzbuckeliger Rauhkopf (Cortinarius rubellus) wächst nicht an Holz und nicht büschelig, er ist ein kräftig orangefuchsig gefärbter Pilz mit zimtbraunen Lamellen und einem spitzen Buckel am Hut.
Orangefuchsiger Rauhkopf (Cortinarius orellanus) unterscheidet sich durch seinen orangefuchsigen, nicht spitz gebuckelten Hut und einem helleren, glatten Stiel und zimtbraunen Lamellen, wächst nicht an Holz und auch nicht büschelig.
Goldgelber Rauhkopf (Cortinarius gentilis)
GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Sparriger Schueppling (Pholiota squarrosa) sieht ihm sehr ähnlich und kommt an denselben Standorten, ebenfalls büschelig verwachsen, vor. Er unterscheidet sich jedoch durch seine ausgeprägten, sparrig abstehenden Schüppchen und hat am Stiel nur eine faserige Ringzone !
Gruenblaettriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) unterscheidet sich durch seine schwefelgelben Farben an Hut und Stiel, durch die jung schwefelgelben, alt graugrünen Lamellen und seinen bitteren Geschmack, ausserdem ist er weder am Hut noch am Stiel mit Schüppchen besetzt.
Ziegelroter Schwefelkopf (Hypholoma sublateritium): wächst ebenfalls büschelig an Holz, ist jedoch auffallend ziegelrot gefärbt.
ESSBARE DOPPELGÄNGER:
Stockschwaemmchen (Kuehneromyces mutabilis) unterscheidet sich durch seinen glatten Hut und einen dunkleren Stiel mit gerieften Ring und ist unterhalb davon mit mehreren braunen Schüppchen besetzt.
Samtfussruebling (Flammulina velutipes): ist durch seinen schwarzsamtig überzogenen Stiel und ansonsten honiggelben Farben gut zu erkennen.
Rauchblaettriger Schwefelkopf (Hypholoma capnoides): hat weder am Hut noch am Stiel Schüppchen und auch keinen Ring, bestenfalls erkennt man jung eine Ringzone.

SYNONYME
Armillariella mellea; Clitocybe mellea; honey mushroom; Hallimasch; Honigfarbener Hallimasch;
Armillariella mellea/imperialis/tabescens/u.s.w.; Cata thelasma; Honey mushroom; shoestring mushroom; oak fungus; cassenada;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Pilzvergiftung kurze Latenz; gastrointestinales Pilzsyndrom

LITERATUR

Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999


Zilker Th; Kleber JJ; Haberl B: Hallimasch (Armillaria mellea) 1999 aus Ganzert M., Kleber J.J., Zilker Th. (Hrsg.) TOXINFO Giftnotruf München 1998