KREMPLINGE UND FAMILIE PAXILLACEAE

Haber B; Kleber JJ; Zilker Th 2000

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Die Gattung der Kremplinge (Paxillus) umfasste bis vor kurzem in Mitteleuropa meist nur 4 Arten:
Kahler Krempling (Paxillus involutus)
Erlenkrempling (Paxillus rubicundulus = filamentosus)
Samtfusskrempling (Paxillus atrotomentosus) und den Muschelkrempling (Tapinella panuoides = Paxillus panuoides)

Nach Studien zum Formenkreis Paxillus involutus nach Hahn und Agerer (6) werden zwei neue Arten beschrieben:
Paxillus validus und Paxillus obscurosporus, die bisher nicht vom Paxillus involutus (Kahler Krempling) unterschieden wurden.
Die makroskopische Unterscheidung dieser drei Pilze ist allerdings für einen Laien schwierig, wohingegen der Erlenkrempling, der Samtfusskrempling und der Muschelkrempling doch gut zu unterscheiden sind:

der Erlenkrempling (Paxillus rubicundulus) ist aufgrund seines Standortes unter Erlen, dem kleineren Wuchs und den kräftigen gelben Farben von Lamellen und Pilzfleisch zu erkennen.
-> der Samtfusskrempling (Paxillus atrotomentosus) unterscheidet sich durch seinen kurzen, samtigen, dunkelbraunen Stiel, den grossen Wuchs und seinen Standort an Nadelholz.
-> der Muschelkrempling (Tapinella panuoides), der inzwischen eine eigene Gattung innerhalb der Familie Paxillaceae darstellt, gibt kaum Anlass zu Verwechslungen: Er wächst meist büschelig an totem Nadelholz, die braungelben, unregelmässig fächerförmigen Hüte sind feinfilzig, der Hutrand eingerollt, der Stiel fehlt oder wächst seitlich stummelförmig, die gelblichen Lamellen sind herablaufend.

GIFTIGKEIT
Alle Paxillus-Arten sind äußerst verdächtig !
MAGEN-DARM: alle Kremplinge (Paxillus spp) verursachen wie der kahle Krempling ungekocht oder ungenügend gekocht Magendarm-Probleme
HÄMOLYSE: außer Magen-Darm-Störungen kommt es bei wenigen Personen bei einer zweiten oder späteren Kremplingsmahlzeit zur Blutauflösung (Hämolyse) durch Antikörper.

SYMPTOME
MAGEN-DARM: nach dem Essen von rohen oder ungenügend gekochten Kremplingen oft Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerz
(siehe ->Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung); die Gefahr der Blutauflösung besteht nur bei wenigen Patienten und nur nach wiederholter Kremplingsmahlzeit
HÄMOLYSE: wurden Kremplinge schon mindestens einmal gegessen (auch wenn der Kahle Krempling früher öfter gut vertragen wurde) kann es zu einer Antikörperbildung gekommen sein; dann treten typischerweise 1 - 2 Stunden nach der Pilzmahlzeit plötzlich schwere Magen-Darm-Probleme auf und schon nach 2 Stunden kann es zur Auflösung der roten Blutkörperchen kommen mit den typischen Veränderungen der Blutchemie
Siehe Paxillus-Syndrom
LATENZZEITEN: 1 bis 2 Stunden


LAIENHILFE
Wenn frühzeitig möglich, sollte nach dem wiederholten Essen von kahlem Krempling immer beim nächsten Arzt Erbrechen ausgelöst werden (NICHT durch Salzwassergabe), und danach 20 bis 50g Kohle verabreicht werden. Danach soll der Betreffende mindestens 6 Stunden in einem Krankenhaus beobachtet werden, und eine Blutauflösung ausgeschlossen werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
Siehe Paxillus-Syndrom

SYNONYME
Paxillus validus; Paxillus obscurosporus; Erlenkrempling; Paxillus rubicundulus; Paxillus filamentosus; Samtfusskrempling; Paxillus atrotomentosus; Muschelkrempling; Tapinella panuoides; Paxillus panuoides;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze Giftige; Pilze; Paxillaceae; Kremplinge; Paxillus-Syndrom;

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Hahn C; Agerer R: Studien zum Paxillus involutus Formenkreis. 1999 J. Cramer in der Gebrüder Borntraeger Verlagsbuchhandlung Stuttgart.


7. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


8. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


9. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


10. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


11. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999