NADELHOLZHÄUBLING (Galerina marginata)

NADELHOLZHAEUBLING (GALERINA MARGINATA) Bild 1 
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Haberl B; Kleber JJ; Zilker 2000

BESCHREIBUNG
Hut: Durchmesser 1,5-4 cm, jung konvex, dann flach gebuckelt ausgebreitet. Die Farbe ist witterungsbedingt verschieden:
Feucht fuchsig-braun, beim Trocknen von der Mitte aus heller gelb-braun werdend. Der Hutrand ist gerieft.
Lamellen: gelbbraun bis rostbraun, dichtstehend, am Stiel meist angewachsen bis herablaufend. Sporenpulver rostbraun.
Stiel: 2-6 cm lang, schlank, gelbbraun, zur Basis hin dunkler braun. Unterhalb des Ringes ist der Stiel silbrig überfasert. Der schmale, häutige, nicht geriefte Ring ist bald vergänglich und hinterlässt nur noch fetzige, faserhäutige Reste (Ringzone).
Fleisch: braunocker, Geruch und Geschmack nach Mehl
TYPISCHE MERKMALE: Kleiner, meist an Nadelholz wachsender, braungelblicher Lamellenpilz. Er hat einen nicht gerieften, schmalen Ring oder eine Ringzone, darunter ist er silbrig überfasert. Im Schnitt deutlicher Mehlgeruch.

VORKOMMEN
August bis November meist auf morschen Nadelbäumen, selten an Laubbäumen. Der Pilz wächst einzeln, rasig oder zum Teil auch büschelig.

GIFTIGKEIT
Der Nadelholzhäubling (Galerina marginata) enthält ca. 0,4 Amatoxin pro g getrockneten Pilz und verursacht das möglicherweise tödlich verlaufende Amatoxinsyndrom

SYMPTOME
Magen-Darm-Symptome: Nach einer beschwerdefreien Zeit von (6)-8-12-(24) Stunden nach der Pilzmahlzeit kommt es zu einer schweren 6-9 Stunden anhaltenden Gastroenteritis mit choleraartigem Durchfall und Erbrechen. Erbrechen kürzer als 6 Stunden nach einer Pilzmahlzeit ist durch andere Giftpilze verursacht, die schlimmstenfalls zusätzlich zu amatoxinhaltigen Pilzen eingenommen wurden.
Stadium der Leberschädigung: nach dem Ende der Magen-Darm-Beschwerden kann nach einer kurzen Zeit der trügerischen Besserung 24 bis 48 Stunden nach der Pilzmahlzeit die Phase der Leberschädigung folgen mit einem Anstieg der Leberwerte; bei schweren Vergiftungen kann es zu Blutgerinnungsstörungen und Bewußtseinsstörungen durch Leberversagen kommen
LATENZZEITEN:
erste Magen-Darmprobleme 8 bis 12 Stunden (frühestens 6 und spätestens 24 Stunden) nach der Pilzmahlzeit. Leberenzymerhöhung 24-48 Stunden nach der Pilzmahlzeit mit maximalen Werten am 2. Bis 4. Tag.
Ausführliche Symptombeschreibung siehe Amatoxinsyndrom

LAIENHILFE
Jeder Fall mit Verdacht auf Verzehr von amatoxinhaltigen Pilzen sollte schnellstmöglich in ärztliche Therapie und nach dort eingeleitetem Erbrechen immer in einer Klinik weiter behandelt werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
siehe Amatoxinsyndrom

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Bestehen vor allem mit ebenfalls an Holz wachsenden Pilzen.
TÖDLICH GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Spitzbuckeliger Rauhkopf (Cortinarius rubellus): wächst nicht an Holz und ist ein kräftig orangefuchsig gefärbter Pilz mit zimtbraunen Lamellen und einem spitzen Buckel am Hut. Verwechslung eher selten !
Orangefuchsiger Rauhkopf (Cortinarius orellanus): unterscheidet sich durch seinen orangefuchsigen, nicht spitz gebuckelten Hut und einem helleren, glatten Stiel und zimtbraunen Lamellen, wächst nicht an Holz. Verwechslung eher selten !
GIFTIGTIGE DOPPELGÄNGER:
Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare): unterscheidet sich durch seine schwefelgelben Farben an Hut und Stiel, durch die jung schwefelgelben, alt graugrünen Lamellen und seinen bitteren Geschmack.
Ziegelroter Schwefelkopf (Hypholoma sublateritium): wächst ebenfalls büschelig an Holz, ist jedoch auffallend ziegelrot gefärbt
->Sparriger Schüppling (Pholiota squarrosa): ist gut zu unterscheiden durch seine an Hut und Stiel dicht besetzten rostbraunen, sparrig abstehenden Schuppen.
ESSBARE DOPPELGÄNGER:
Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis): ist im Vergleich zwar eher kräftig, doch können schmächtige Exemplare dem Nadelholzhäubling sehr ähnlich sehen !Ein Unterscheidungsmerkmal ist der Stiel: Während das Stockschwämmchen auf ockerfarbenen Grund mit dunkleren Schüppchen unterhalb des gerieften Ringes besetzt ist, hat der Nadelholzhäubling einen gelbbraunen Stiel, der unterhalb der oft kaum zu erkennenden Ringzone heller überfasert ist. Der Ring ist bei beiden Pilzen vergänglich und kann daher fehlen, was die Bestimmung noch zusätlich erschwert. Alle anderen Merkmale wie Hut, Grösse oder Standort sind zur sicheren Unterscheidung meist nicht brauchbar.
Samtfussrübling (Flammulina velutipes): wächst meist büschelig an Holz und ist gut kenntlich durch seinen braunschwarzen, feinsamtig überzogenen Stiel, der im Kontrast mit dem honiggelben Hut steht.
Rauchblättriger Schwefelkopf (Hypholoma capnoides): wächst ebenfalls an Nadelbäumen, die Stiele sind immer büschelig miteinander verwachsen. Der Pilz ist eher kräftig und hat gelbe Farben am Hut und einen helleren Stiel, der nur jung eine erkennbare Ringzone hat.

SYNONYME
Gifthäubling; Gesäumter Häubling; Gift-Häubling;
Nadelholz-Häubling; Galerina marginata; Pholiota marginata;
Nadelholz-Schüppling; Nadelholzschüppling;
marginate pholiota; galere marginee;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze Giftige; Pilze; Häublinge; Galerina spp; Pilzvergiftung lange Latenz

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


7. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


8. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


9. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197


10. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999