ÖLBAUMPILZ (Omphalotus olearius)

Zilker Th; Kleber JJ; Haberl B 2000

BESCHREIBUNG
Hut: 6-12 cm Durchmesser, jung gewölbt, dann abgeflacht mit niedergedrückter bis trichterförmig vertiefter Mitte, teilweise unregelmässig verbogen und am lange eingerollten Hutrand eingerissen, Farbe meist orange, manchmal bräunlich, Oberfläche glatt und glänzend.
Lamellen: goldgelb bis orangegelb, dichtstehend, mit vielen Zwischenlamellen, manchmal gabelig verzweigt, weit am Stiel herablaufend, bei Dunkelheit leuchtend (Biolumineszens). Sporenpulver gelblichweiss.
Stiel: 6-15 cm lang, oft exzentrisch, zur Basis hin verjüngt und zu mehreren büschelig verwachsen, orange bis braun, längsfaserig.
Fleisch: hellorange, zäh, milder Geschmack
TYPISCHE MERKMALE: Mittelgrosser, laubholzbewohnender Pilz mit kräftig orangen Farben, weit herablaufenden, im Dunkeln leuchtenden Lamellen, büscheliges Wachstum.

VORKOMMEN
Juli bis November an Laubbäumen wie Ölbaum, Kastanie, Eiche vor allem im Mittelmeerraum oder seltener an wärmebegünstigten Standorten in Mitteleuropa (Oberrheingebiet, Südalpen, Wiener Wald) büschelig wachsend.

GIFTIGKEIT
Ölbaumpilz (Omphalotus olearius): kommt normalerweise nicht in der BRD vor, sondern in wärmeren Ländern wie Jugoslawien, Italien und Frankreich; verursacht heftige Magendarmprobleme
Laternenpilz (Omphalotus subilludens): verursacht Magendarmprobleme, kommt in USA und Japan vor (5)

SYMPTOME
1-3 Stunden nach einer Pilzmahlzeit Auftreten von bitterem Mundgeschmack, Kopfschmerzen, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen und Bauchkrämpfe; Durchfall ist nicht so häufig; Erholung von der Symptomatik ist nach 4 Stunden aber auch erst nach 5 Tagen berichtet (5)
LATENZZEITEN: 1-3 Stunden

LAIENHILFE
Bei frühzeitigem Verdacht medizinische Kohle 20-40g (bei Kindern 1g / kg KG); in jedem Fall soll der Erkrankte bis zum Abklingen der Beschwerden (bei Beschwerdefreiheit für mindestens 4 Stunden) in einer Klinik beobachtet werden

ÄRZTLICHE THERAPIE
Siehe Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung


BETROFFENE PILZE MIT

SYNONYMEN
Ölbaumpilz (Omphalotus olearius): Clitocybe olearea; Clitocybe illudens; Pleurotus olearius; Pleurotus phosphorus; Plerotus olearius; jack-o latern; fungo dell olivio; Omphalotus illudens;
Omphalotus subilludens: Lampteromyces japonicus; japanischer Laternenpilz; Tsutiotake: kommt in Japan und USA vor (1)


GIFT UND GIFTWIRKUNG
Omphalotus sp.: trotz der muskarinähnlichen Symptomatik enthalten beide Omphalotus sp. kein Muskarin, sondern das Sesquiterpen Illudin S, Lunamycin, Lampterol und wahrscheinlich noch andere nicht identifizierte Giftstoffe (1,5)

VEWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Kommt normalerweise nicht in BRD vor, sondern in wärmeren Ländern wie Jugoslawien, Italien und Frankreich; hier wird der Ölbaumpilz von Nordeuropäern gerne mit dem essbaren
Pfifferling (Cantharellus cibarius) verwechselt, der ihm in Farbe und Wuchs recht ähnlich sieht. Er hat jedoch deutlich leistenartige, stumpfe Lamellen, die stark aderig untereinander verbunden sind und seine dottergelbe Farbe geht nicht ins orangerote.
TÖDLICH GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Orangefuchsiger Rauhkopf (Cortinarius orellanus)
Spitzbuckeliger Rauhkopf (Cortinarius rubellus)
Goldgelber Rauhkopf (Cortinarius gentilis)
Die oben genannten Rauhköpfe, die zu den Haarschleierlingen (Cortinarius) zählen, unterscheiden sich durch ihre durchwegs rostbraune/orangefuchsige Farbe, dem insgesamt schlanken Wuchs und einem oft gebuckelten Hut. Ein für die Gattung typisches Merkmal ist der spinnwebenartige Schleier, der sich vom Stiel zum Hutrand spannt (Cortina). Allerdings ist die Cortina oft nur bei sehr jungen Pilzen zu erkennen, da sie im Alter schwindet. Das Sporenpulver ist rostbraun und färbt den Stiel durch heruntergefallene Sporen oft ebenfalls rostbraun.
Kahler Krempling (Paxillus involutus) unterscheidet sich durch seine ockerbraune bis rostbraune Farbe und den auf Druck rostbraun werdenden, oft gegabelten Lamellen und den kräftigen eher untersetzten Wuchs.
GIFTIGE DOPPELGÄNGER:
Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca) kann ebenfalls auf Holz wachsen, aber auch auf Erde. Er unterscheidet sich durch seine etwas dicklichen, nicht eng stehenden Lamellen, die regelmässig gegabelt sind, die Stiele sind nicht exzentrisch und wachsen auch nicht büschelig.

SYNONYME
Ölbaumpilz; Omphalotus olearius; Clitocybe olearea; Clitocybe illudens; Pleurotus olearius; Pleurotus phosphorus; Plerotus olearius; jack-o latern; fungo dell olivio; Omphalotus illudens;
Omphalotus subilludens; Lampteromyces japonicus; japanischer Laternenpilz; Tsutiotake; Laternenpilz japanischer

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Pilzvergiftung kurze Latenz; gastrointestinales Pilzsyndrom

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


5. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


6. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999