PAXILLUS-SYNDROM

Kleber JJ; Zilker Th 2000

GIFTIGKEIT
MAGEN-DARMPROBLEME:viele Paxillus Sp. verursachen vereinzelt Magendarm-Probleme; nach dem Essen ungekochter Kremplinge bekommen die meisten Personen Magendarm-Probleme
HÄMOLYSE: außer Magen-Darm-Störungen kommt es bei wenigen Personen bei einer zweiten oder späteren Kremplingsmahlzeit zur Blutauflösung (Hämolyse) durch Antikörper; vor allem bekannt von kahler Krempling (Paxillus involutus)

SYMPTOME
MAGEN-DARMPROBLEME: nach dem Essen von rohen oder ungenügend ungekochten Kremplingen oft Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerz
(siehe Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung); die Gefahr der Blutauflösung besteht nur bei wenigen Patienten und nur nach wiederholter Kremplingsmahlzeit.
Bei gekochten Kremplingen treten Beschwerden nur auf, wenn Kremplinge schon mindestens einmal gegessen worden sind; oft waren mehrere Mahlzeiten von kahlem Krempling während mehrerer Jahre ohne Probleme vertragen worden.
HÄMOLYSE: wenn es zur Antikörperbildung gekommen ist treten typischerweise 1 - 2 Stunden nach der Pilzmahlzeit plötzlich schwere Magen-Darm-Probleme auf mit Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, und Bauchkoliken (gastroskopisch findet man dann eine hämorrhagische Gastritis); schon nach 2 Stunden kann es zur Auflösung der roten Blutkörperchen kommen mit den typischen Veränderungen der Blutchemie (Erhöhung von LDH, Serum-Kalium, Bilirubin, Transaminasen und freiem Hämoglobin im Serum); der Urin verfärbt sich dunkel; es kann zum Blutdruckabfall kommen; später sind Nierenversagen, eine Blutgerinnungsstörung durch Verbrauch der Gerinnungsfaktoren und Lebervergrößerung und sogar Lungenwassersucht als Folgekrankheiten möglich
LATENZZEITEN: 1 bis 2 Stunden

LAIENHILFE
Wenn frühzeitig möglich, sollte nach dem wiederholten Essen von Kremplingen immer beim nächsten Arzt Erbrechen ausgelöst werden (NICHT durch Salzwassergabe), und danach 20 bis 50g Kohle verabreicht werden, wegen der drohenden Gefahr einer Blutauflösung. Danach sollte der Betreffende für mindestens 6 Stunden in einem Krankenhaus beobachtet werden, und eine Blutauflösung ausgeschlossen werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
PRIMÄRE GIFTENTFERNUNG: wenn nicht schon mehrmals Erbrochen wurde, soll in der Klinik induziertes Erbrechen (Ipecac-Sirup) ausgelöst werden oder eine Magenspülung durchgeführt werden, danach soll medizinische Kohle gegeben werden.
BEOBACHTUNG: nach wiederholter Kremplingsmahlzeit, sollte der Patient mindesten 6 Stunden auf Hämolyse überwacht werden. Wenn in dieser Zeit keine Symptome auftreten ist nicht mehr mit einer Verschlechterung zu rechnen. Bei Beschwerden sollte mit einem GIFTNOTRUF Kontakt aufgenommen werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen (GIFTNOTRUF MÜNCHEN 089 19240)
HÄMOLYSE: bei Hämolysezeichen auf jeden Fall bis zur Beschwerdefreiheit im Krankenhaus behandeln; bei mäßiger Hämolyse Bicarbonat-Gabe zur Prophylaxe einer Crushniere. Bei schwerer Hämolyse eventuell Blutaustausch und Plasmapherese zur Entfernung der die Hämolyse versusachenden Immunkomplexe und des die Niere schädigenden freien Hämoglobins. Bei Nierenversagen Hämodialyse.

GIFTWIRKUNG
Ein nicht näher bekanntes im Pilz vorhandenes Antigen regt bei einzelnen Menschen die Bildung von IgG-Antikörpern an, die bei späteren Pilzmahlzeiten zur Hämolyse führen.

VERURSACHENDE PILZE
kahler Krempling (Paxillus Involutus)
Kremplinge und Familie Paxillaceae

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze; Pilze giftige; Pilzvergiftung kurze Latenz; Pilzvergiftungssyndrome; Paxillaceae; Kremplinge;

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


4. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


4. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


6. Winkelmann et al. Severe hemolysis caused by antibodies against the mushroom Paxillus involutus and its therapie by plasmaexchange Klin.Wochenschrift 64: 935-938, 1986

7. Winkelmann et al. Tödlich verlaufene immunhämolytische Anämie nach Genuß des kahlen Kremplings. DMW 1982 (107) 1982 1190-1194


8. Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil II). Leber Magen Darm 3/87 173-197


9. Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999