RIESEN-RÖTLING (Entoloma sinuatum)

RIESEN-ROETLING (ENTOLOMA SINUATUM) Bild 1 
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Haberl B; Zilker Th; Kleber JJ 2000

BESCHREIBUNG
Hut: 6-20 cm Durchmesser, jung halbkugelig, dann flach gewölbt, in der Mitte dickfleischig. Farbe weisslich, hellocker bis graubräunlich mit fein eingewachsenen Fasern.
Lamellen: jung hellgelb, später rötlichocker, am Stiel fast frei, dichtstehend. Sporenpulver rötlichocker.
Stiel: 5-12 cm lang, kräftig, Basis oft verdickt, weisslich, längsfaserig.
Fleisch: weiss, mehlartiger Geruch und milder Geschmack.
TYPISCHE MERKMALE: Grosser, kräftiger, weisslicher Pilz mit zuletzt fleischrosafarbenen Lamellen und deutlichem Mehlgeruch.

VORKOMMEN
Mai bis September einzeln bis gesellig wachsend, vor allem unter Laubbäumen, wie Eichen und Buchen.

GIFTIGKEIT
Mehrere Rötlingsarten verursachen mäßige bis schwere Magendarmsymptome
Riesen-Rötling (Entoloma sinuatum): ist der giftigste Verterter der Gruppe und kann schwere Magendarmsymptome verursachen
->alkalischer Rötling (Entoloma nidorosum): verursacht eher leichte bis mittlere Magendarmsymptome
->Entoloma clypeatum: verursacht vor allem nach dem Genuß roher Pilze Magendarmsymptome
->niedergedrückter Rötling (Entoloma rhodopolium): verursacht eher mittlere bis schwere Magendarmsymptome

SYMPTOME
Normalerweise treten nach dem Genuß des Riesen-Rötlings nach 30 Minuten bis 2 Stunden (ausnahmsweise nach 4 Stunden) Bauchschmerzen und schweres Erbrechen und Durchfall auf. Bei schweren Vergiftungen treten als Begleitsymptome Schwitzen, Durst, allgemeine Schwäche auf, und die Symptomatik kann 1-2 Tage anhalten.
LATENZZEITEN: 0,5 bis 2 Stunden selten bis 4 Stunden


LAIENHILFE
Bei Verdacht auf Einnahme eines Pilzes dieser Gruppe kann die Gabe von Medizin-Kohle 30-50g (bei Kindern 1g / kg KG) die Resorption der Giftstoff verhindern, verzögern oder zumindest vermindern. Wegen der möglichen schweren Verläufe soll jeder Fall in einer Klinik beobachtet werden.

ÄRZTLICHE THERAPIE
Beobachtung: bei beschwerdefreien Patienten reicht eine 4 stündige Beobachtung; bei Beschwerden soll der Patient bis zur Beschwerdefreiheit in der Klinik beobachtet werden.
Weitere Therapie:
siehe ->Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
ESSBARE DOPPELGÄNGER:
Nebelkappe (Lepista nebularis) unterscheidet sich durch cremegelblichen Lamellen, die am Stiel kurz herablaufen.
Veilchenritterling (Lepista irina) erkennt man gut an dem intensiven Geruch nach Veilchenwurzeln.
Weitere Verwechslungen mit essbaren Pilzen wären möglich mit:
Mai-Ritterling (Calocybe gambosa)
Mehlraesling (Clitopilus prunulus)
Dachpilze (Pluteus spec.)

SYNONYME">BETROFFENE PILZE UND

SYNONYME
Riesen-Rötling (Entoloma sinuatum): Entoloma lividum; Rhodophyllus sinuatus; Rhodophyllus lividus; leaden entoloma; livid entoloma; entolome livide; jaunet perfide; videau; agarico livido;
Schildrötling (Entoloma clypeatus): Rhodophyllus clypeatus
alkalischer Rötling (Entoloma nidorosum): stinkender Rötling;
niedergedrückter Rötling (Entoloma rhodopolium):
Entoloma sericeum: Nolanea sericeum;
Entoloma vernum

TOXINE
Die Symptome verursachenden Giftstoffe sind nicht genau bekannt; es wurden Vinylglycin, Cholin, und auch Muskarin gefunden (Spoerke; Rumak)

SYNONYME
Riesen-Rötling; Entoloma sinuatum; Entoloma lividum; Giftrötling; Rhodophyllus sinuatus; Rhodophyllus lividus; leaden entoloma; livid entoloma; entolome livide; jaunet perfide; videau; agarico livido;
Schildrötling; Entoloma clypeatus; Rhodophyllus clypeatus;
alkalischer Rötling; Entoloma nidorosum; stinkender Rötling; Rötling stinkender; Rötling alkalischer;
niedergedrückter Rötling; Entoloma rhodopolium; Rötling niedergedrückter;
Entoloma sericeum; Nolanea sericeum; Entoloma vernum

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze giftige; Pilze; Pilzvergiftung kurze Latenz; gastrointestinales Pilzsyndrom; Rötlinge; Entoloma spp;

LITERATUR

Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994


Zilker Th: Diagnose und Therapie der Pilzvergiftungen (Teil I). Leber Magen Darm 2/87 97-112


Zilker Th: Intoxications par les champignons


aus Jaeger, Vale JA Intoxications aigues. Elsevier Paris 1999