SPEISEMORCHEL (Morchella esculenta)

SPEISEMORCHEL (MORCHELLA ESCULENTA) Bild 1 
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Kleber JJ; Haberl B; Zilker Th 2000

BESCHREIBUNG
Hut: 6-12 cm hoch, rundlich bis eiförmig, gelblichbraun bis honiggelb. Oberfläche wabenartig mit vielgestaltigen, tiefen Gruben, die durch unregelmässig laufende Rippen entstehen.
Stiel: 4-8 cm lang, weisslich bis ockerfarben, hohl, längsfaltig, Basis verdickt, Oberfläche etwas bereift.
Fleisch: weisslich, milder Geschmack
TYPISCHE MERKMALE: Grosser, im Frühjahr vorkommender Pilz mit wabenartigen, rundlichen, honiggelben Hut und weissen Stiel.

VORKOMMEN
Im Frühjahr in Auwäldern, Parkanlagen, Wiesenrändern, einzeln bis gruppenweise wachsend.

WERT UND TOXIZITÄT
Guter Speisepilz
In wenigen Fällen wurde nach großer Menge Morcheln leichte Vergiftungen beobachtet, wobei nicht klar ist, ob dies von einer Varietät, von Standortbedingungen oder der aufgenommenen Pilzmenge abhängig ist. Nach 8-12 Stunden traten für weitere 6 Stunden bis zu einem Tag folgende Beschwerden auf: Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Sensibilitätsstörungen, Zittern, Sprach- und Gangstörungen (8,9)
Bei Alkoholgenuß kann bis zu Tage nach der Pilzmahlzeit ein Coprinus Syndrom auftreten mit Haut- und Gesichtsrötung, Kopf- und eventuell Brustschmerzen (10).

THERAPIE
Bei Beschwerden muß der Betroffene immer in einem Krankenhaus beobachtet werden, und durch Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale eine andere eventuell lebensgefährliche Pilzvergiftung mit langer Latenz ausgeschlossen werden (GIFTNOTRUF MÜNCHEN 089 19240)

VERWECHSLUNGSMÖGLICHKEITEN
Giftige Doppelgänger:
Fruehjahrslorchel (Gyromitra esculenta) wächst ebenfalls im Frühling, unterscheidet sich aber durch einen rundlichen, rotbraunen bis schwarzbraunen Hut, der durch wellig verlaufende Wülste hirnartig-lappig aussieht.
Riesenlorchel (Gyromitra gigas) sieht der Frühjahrslorchel sehr ähnlich (sichere Unterscheidung nur mikroskopisch) sie wird etwas grösser, kommt vor allem in Bergfichtenwälder vor und ist sehr selten.
Bischhofsmütze (Gyromitra infula) erscheint nicht im Frühjahr, sondern erst im Herbst. Der braune Hut ist unregelmässig gefaltet mit zwei bis vier tütenförmigen Spitzen, die durch zusammengebogene Hutlappen gebildet werden.
Essbare Doppelgänger:
Spitzmorchel (Morchella conica) unterscheidet sich durch einen langkegelförmigen, graubraunen Hut mit wabenartiger Oberfläche, die durch parallellaufende, ausgeprägte Längsrippen relativ regelmässig aussieht.

SYNONYME
Speise-Morchel; Rund-Morchel; Morchella esculenta;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Pilze; Speisepilze; Morchel; Morcheln; Morchella spp; Pilzvergiftung lange Latenz; Schlauchpilze; Ascomyceten;

LITERATUR

1. Bresinsky A; Besl H: Giftpilze Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftlicher Verlagsgesellschaft Stuttgart 1985


2. Breitenbach J: Pilze der Schweiz. Verlag Mykologigia Luzern 1991


3. Cetto B: Enzyklopädie der Pilze Band 1-4; BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 1987


4. Flammer R; Horak E: Giftpilze. Pilzgifte. Erkennung und Behandlung von Pilzvergiftungen. Sporenschlüssel. Franksche Verlagshandlung, w. Keller + Co Stuttgart 1983


5. Garnweidner E: GU Naturführer Pilze Die wichtigen Pilze Mitteleuropas erkennen und bestimmen. Gräfe und Uncer 13. Auflage 1999


6. Michael E; Henning B: Handbuch der Pilzfreunde. Quelle und Meyer, Heidelberg 1968


7. Moser M: Kleine Kryptogamenflora; Die Röhrlinge und Blätterpilze. Gustav Fischer Verlag; Stuttgart, New York 1978


8. Fuste L. et al.: Intoxicacion por ingesta de Morchella esculenta. Medicina clinica vol. 73. num. 6/1979


9. Kleber J.J.: SPEISEMORCHEL (Morchella esculenta) Kasuistik Giftnotruf München Sep. 96; aus: Ganzert M., Kleber J.J., Zilker Th. (Hrsg.) TOXINFO Giftnotruf München 1998


10. Spoerke DG; Rumak BH: Handbook of mushroompoisoning. CRC Press 1994