Loxosceles sp

Erstellt Tox Mü Wagner Ph. / Kleber J.J. 1.1998

TOXIKOLOGIE
-- eine der giftigsten Giftspinnengattungen mit hoher Er-
   krankungsrate in betroffenen Gebieten
  -jede LOXOSCELES Art ist als hochtoxisch anzusehen
-- Biß mit Schmerzintensität eines Mückenstiches (daher oft
   nicht wahrgenommen); erst nach Std. Schmerz, Entzündung,
   später Nekrose ("Loxoscelism") + systemische Wirkungen
--

VORKOMMEN: theoretisch überall
  -endemisch: temperierte/tropische Gebiete Nord-, Mittel-
   Südamerikas, Karibik, Afrika; Mittelmeergebiet, Süd-
   europa; Australien, paz.Inseln, Asien (Türkei bis Japan),
   Finnland (1)
  -BISSORT: Bißunfälle im Wohnbereich (Loxosceles z.B. in
   Kleidern od. Bett u.ä.); Spinne beißt nur, wenn sie
   nicht entkommen kann (z.B. in Kleidung) (1,3)
-- DIFFERENTIALDIAGNOSE von Spinnenbissen mit Hautnekrose
   Cheiracanthium sp (aus USA, Südafrika, Austarlien)
   Tegenaria agrestis (nur Arten aus USA "Hobo spider")
   Lampona cylindrtata (Australien)

SYMPTOME
-- LOKAL: initial oft keine Schmerzen; oft kommt Pat. erst
   nach 12-36 h zum Arzt
  -nach 2-8 h starke Schmerzen + Schwellung , lokale Zyan-
   ose, Urtikaria, Hautnekrosen, Lymphangitis (schlechtere
   Prognose), Zellulitis, Ödem, Erythem;
  -nach 12-24h Blasenbildung (evtl. hämorrhagisch), zen-
   trales Abblassen des Erythems, Beginn einer unregelmäßig
   begrenzten Nekrose in 24-48h (1) zur trockenen Nekrose
   in 7d; unter Nekrose oft große Ulzeration, die für 4-8
   Wo. erhalten bleibt, schlecht heilt schlecht, immer wie-
   der aufbricht, bis es vernarbt; öfters bei Ulcus Nerven-
   schäden, Muskelnekrose, hyalinisierende Panniculitis.
   bei Biß in Stamm häufiger Abszeßbildung (3)
-- SYSTEMISCHE

SYMPTOME nach 24-48h (4)
  -ALLGEMEIN: Muskel- Gelenk und Knochenschmerzen, Fieber,
   Schüttelfrost, Hautrash, selten Hämolyse, Schock, siehe
   unten(4)
  -LABOR: Methämoglobinämie in 20% über 4%, Leukozytose,
   selten Hämolyse
   (24-72h bis 2-3d nach Biß); Thrombopenie, DIC (1); Bili-
   rubinämie, Proteinurie;
   beim seltenen viszerokutanen Loxoscelismus innerhalb 24h
   nach dem Biß (Hämolyse, DIC, Thrombozytopenie) (3).
  -SONST: akutes Nierenversagen durch Hämolyse (3); Fieber,
   fein-makulärer, generalisierter Hautausschlag (1),
   sehr selten Myelitis (4)

THERAPIE
-- BEOBACHTEN: jeden Verdachtsfall 3d nach Biß klin. beo-
   bachten (große Latenzzeit!) [Hämolyse, Gerinnungsstatus
   Proteinurie, Elektrolyte, Nierenfunktion (3)]
   Beobachten der Nekrosenausbreitung; Bakteriologie vom
   Wundexsudat
  -TETANUSIMPFUNG
-- LOKAL

THERAPIE: Ruhig + hochlagern betroffene Extremität
   evtl. antibiotische Behandlung;
-- SYSTEMISCHE

THERAPIE
  -hyperbarer Sauerstoff [2x/d 60-90 Min. 2-2,8Atü führte
   zu Heilungsverbesserung auch noch Tage nach Biß (3)]
  -frühe chir. Exzision wird kontrovers diskutiert (1,3)
  -Glucocorticoide systemisch + lokal waren unwirksam(1,3)
  DAPSON(Inhibition Granulozyteneinwanderung): 50-(100)
   mg2x/d über 2-3Wo. grenzte Wundläsion ein (3), [nicht
   bei GLD-6-Mangel, häufig Nebenwirkungen bei Überdosis]
-- ANTIDOTE: Antiveningabe mit unsicherer Wirkung
  -Soro antiaracnidico polivalente: Inst.Butantan, Sao
   Paulo Brasilien;
  -Soro antiloxoscelico (Immunisierung mit L.reclusa):
   Inst. Butantan, Sao Paulo Brasilien;
  -Suero antiloxoscelico: Institutos Nacionales de Salud,
   Lima, Peru. (1,3)
  -INDIKATION: Wirksamkeit enttäuschend (evtl. wegen später
   Gabe erst nach 24-36h) (1,3)
   In Brasilien im Hospital Vital oft Antivenin [kutane
   Form 5Amp. i.v., bei viszerokutane Form 5-10 Amp.(3)

TOXIN
Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt, jedoch konnten einzelne Wirkungen abgegrenzt werden: Sphingomyelinase D wirkt an der Hautnekrose mit. Die lokale Vaskulitis und die Nekrose kommen durch neutrophile Granulozyten zustande (chemotaktisch wirkende Giftstoffe?). Komplementreaktion ist offenbar nicht beteiligt.(3)

BESCHREIBUNG
Loxosceles kann NUR VON FACHLEUTEN identifiziert werden. Viele einheimische Arten ähneln ihr, so daß die Symptome oder die asservierte Spinne mehr Aufschluß geben können als die Beschreibung.
Körperlänge: 0,8-1,5 cm; Beinlänge: 1,8-3 cm; Loxosceles hat nur 6 Augen (selten bei einheimischen Spinnen); Farbe blaßgelb bis dunkelbraun. Je nach Art evtl. dunkle violinenförmige Zeichnung auf dem  Cephalothorax; Beine lang und dünn (v.a. Männchen), wirken "nackt"; Spinne nachtaktiv.
Netze dieser Spinnen sind irregulär gebaut, flächenförmig. Sie werden auf dem Boden, in Löchern, unter Steinen, unter Baumrinde und im menschlichen Wohnraum (z. B. in Ecken und Spalten) gebaut. (1,3)

VORKOMMEN
durch Verschleppung heute ubiquitär, v.a in temperierten bis tropischen Gebieten Nord- Mittel- und Südamerikas und Karibik, Afrika, Naher Osten, Südeuropa, südliche GUS-Staaten, Südostasien, Australien, pazifische Inseln; auch Finnland (1).

SYNONYME
Brown Spider; Violin Spider; Fiddle Back; Fiddle Back Spider; Recluse Spider; Brown Recluse Spider; Braune Spinne; Arana de los rincones; Arana homicida; Aranha marrom; Speispinnen;

GRUPPENZUGEHÖRIGKEIT
Spinnen giftige; Spinnen giftige nekrotisierend; Spinnen giftige Afrika; Spinnen giftige Europa; Spinnen giftige Nordamerika; Spinnen giftige Südamerika; Spinnen giftige Australien; Spinnen giftige Südostasien; Bananenspinnen; Tiere giftige

LITERATUR

(1) Junghanss, Th., Bodio, M.: Notfall-Handbuch-Gifttiere, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1996.


(2) Schmidt, G.: Giftige und gefährliche Spinnentiere, die neue Brehm-Bücherei 608, Westarp Wissenschaften, Magdeburg, 1993.


(3) Meier, J., White, J., Handbook of clinical Toxicology of Animal Venoms and Poisons, CRC Press, Florida, USA, 1995.


4. Micromedex Poisindex 1. 1998


5. Weickmann D; Burda R; Samm R; Schmidt G; Ziegler M


  Loxosceles Heinecken + Lowe 1835 Eine Giftspinne als bio-


  gene Gefahr in Deutschland; Arachnol. Mag. 4 (10) 7-9 96